29/​09/​2020

Schön­heits­fehler“ sagen 85 % der Nicht-​​Fachleute zu Bauschäden wie Risse. „Vernach­läs­sigbar“, entscheiden sie. Laut einer inter­dis­zi­pli­nären Studie zur Wahr­nehmung von Bauschäden unter­schätzen Laien meistens die Trag­weite von Schäden der mitt­leren Kate­gorie. Das trifft auch auf das Thema Risse im Bauwerk zu.

Wie Sie als Bauherr unliebsame Über­ra­schungen u.a. mit Blick auf das Sanie­rungs­budget und die Lebens­dauer Ihres Bauwerks vermeiden können, beschreiben wir im folgenden Fach­beitrag.

Unter­schied­liche Riss­arten
Schwind-​​, Schrumpf-​​, Spalt-​​, Setz-​​, Schub, Biege– oder Trenn­risse – es gibt zahl­reiche Riss­arten. Risse im Beton können aus unter­schied­lichen, manchmal auch aus sich über­la­gernden Ursachen entstehen. Auslöser für Riss­bil­dungen können bereits beim Neubau angelegt worden sein. Im Aushär­te­prozess von massigen (dicken) Beton­bau­teilen, wie es z.B. bei Funda­menten einer Wind­kraft­anlage der Fall ist, wird Hydrata­ti­ons­wärme frei­ge­setzt. Die schnelle Wärme­abgabe an den außen liegenden Bereichen führt zu Tempe­ra­tur­un­ter­schieden im Gesamt­bauteil. Durch die unter­schied­liche Tempe­ra­tur­ver­teilung entstehen Span­nungen im Bauteil, die zu Riss­bil­dungen führen.

Über­haupt nicht sichtbar sind soge­nannte Mikro­risse im Beton. Sie sind nur mikro­sko­pisch nach­weisbar. Die Ursache liegt in der Verwendung von Zuschlag­stoffen, die magmatisch-​​vulkanischen Ursprungs sind. Kürzlich hatten wir mit diesem Problem im Laufe der Sanierung einer langen Fußgän­ger­brücke über DB-​​Gleise zu tun. Die Mindest­an­for­de­rungen an den Unter­grund durch Stemm­ar­beiten waren nicht gegeben. Als Sach­kun­diger Planer und Bauüber­wacher hatten wir umgehend reagiert und die Umstellung von Stemm­ar­beiten auf Höchst­druck­was­ser­strahlen veran­lasst. Ohne, dass es zu Verzö­ge­rungen im weiteren Sanie­rungs­ablauf kam!

Weitere mögliche Ursachen für Riss­bil­dungen sind äußere Einwir­kungen auf das Bauwerk bspw. durch wach­sende Verkehrs­be­las­tungen bei Brücken. Frost oder Korrosion der Bewehrung sind eben­falls häufige Auslöser für Risse. Je länger sich Bauschäden dieser Art ausweiten können, desto tief­ge­hender reichen sie ins Bauwerks­innere. Und schä­digen die Bausub­stanz mit weit­rei­chenden Folgen!

Ist der Riss wasser­führend?

Riss führt an Beweh­rungs­stäben entlang. Foto: SiB

In feinen Rissen setzt sich sehr gerne Feuch­tigkeit ab. Dabei ist nicht entscheidend, ob sich der Riss durch das ganze Bauteil zieht. Wenn der Riss bis zur Bewehrung reicht, sucht sich das Wasser seinen Weg entlang der Beweh­rungs­stäbe. Neben einer deut­lichen Erhöhung der Korro­si­ons­gefahr der Beweh­rungs­stäbe sorgt ein even­tu­elles Mitein­treten von stahl­ag­gres­siven Stoffen wie Tausalze für eine weitere Folge­schä­digung: die Loch­fraß­kor­rosion. Die Stahl­ein­lagen werden regel­recht „ange­fressen“ (s.a. „Huckepack-​​Transport – ins Bauwerk mitge­tragene Chloride“ oder „Lack­schäden am Fuhrpark in Tief­garage — Rost­wasser sorgt für Ärger“). Das sind Ausgangs­lagen, die die Stand­si­cherheit des Bauwerks beein­träch­tigen. Deswegen beraten und infor­mieren wir als Bauin­ge­nieure unseren Bauherrn bereits im Vorfeld ausführlich.

Versteckte Kosten hinter einem Haarriss

An mit Farbe ange­legten Beton­wänden sind Risse oft gar nicht oder nur minimal sichtbar. Das ist bspw. häufig in Park­häusern oder Tief­ga­ragen der Fall. Erst wenn im Rahmen einer Beton­sa­nierung die Ober­fläche des Bauteils mit Höchst­druck­wasser– oder Sand­strahlen entfernt wird, zeigt sich das Ausmaß der Schä­digung. Das Beitragsbild zeigt den Unter­schied zwischen sicht­barem Ober­flä­chenriss und die sich ins Bautei­linnere auswei­tende Trennung im Beton­gefüge. Dass eine solche Risstiefe viel Material und Arbeitszeit von Fach­kräften „schluckt“, ist nach­voll­ziehbar. Mit der häufig vertre­tenen Empfehlung, ein Farb­an­strich würde doch bei solch feinen Ober­flä­chen­rissen reichen, ist der Bauherr schlecht beraten, bedenkt man der oben beschrie­benen, sich auswei­tenden Folge­schäden. Sie sind bei der Budget­planung auf der sicheren Seite, wenn Sie um solche „unsicht­baren“ Schäden wissen. Wir kalku­lieren diese als Planer der Instand­setzung bereits im Rahmen der Kosten­be­rechnung mit ein. Das ist für uns Routine.

Die Riss­be­handlung

Die Art der Riss­be­handlung ist immer bauwerks­ab­hängig. Für eine ständig befahrene Brücke mit Schwer­last­verkehr bspw. müssen andere Maßnahmen ergriffen werden als an einer Fassade eines Hoch­hauses. Die Anfor­de­rungen an die Trag­fä­higkeit und die Dichtheit eines Bauteils erfordern unter­schied­liche Sanie­rungs­schritte. Die Frage, ob ein Riss elas­tisch oder kraft­schlüssig verpresst werden muss, legen wir fest. Auf der Baustelle kümmern wir uns auch darum, dass alles richtig umge­setzt wird.

Meine TIPPs:

Verschaffen Sie sich Sicherheit. Im Rahmen einer Bauwerks­dia­gnostik durch einen Sach­kun­digen Planer für Beton­sa­nierung werden Bauschäden umfassend beur­teilt. Dabei werden die jewei­ligen Anfor­de­rungen an das Bauteil berück­sichtigt. Für die Dichtheit einer Boden­platte – z.B. bei einer Weißen Wanne – gelten andere Voraus­set­zungen als für einen Unterzug. Jähr­liche Inspek­tionen zeigen den Grad von auftre­tenden Verän­de­rungen auf.

Verein­baren Sie mit mir einen kosten­neu­tralen Erst­be­ra­tungs­termin vor Ort.

 

Der Weg zur zitierten Studie:
https://news.rub.de/presseinformationen/wissenschaft/2017-06-22-psychologie-wie-menschen-schaeden-gebaeuden-wahrnehmen SFB 837 „Interaktionsmodelle für den maschinellen Tunnelbau

 

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